In einem Rechtsstreit nutzen sowohl die Anwält:innen von Withers als auch jene der Stadt Aberdeen genAI und übernahmen die Ergebnisse ungeprüft. Folge: nicht vorhandene Gerichtsurteile sollten im Schriftsatz die jeweilige Argumentation stützen. Richterin Sharion Aycock bracxh die Verhandlung ab, entzog den Anwält:innen die Mandate, verhängte Geldbußen von 1.000 bzw. 3.500 Dollar und zwei Anwälten wurde untersagt, in den nächsten zwei Jahren in irgendeiner Sache vor dem Bezirksgericht der Vereinigten Staaten für den nördlichen Bezirk von Mississippi aufzutreten.
Urteil ist abrufbar unter https://storage.cour … .pdf?ref=404media.co sowie https://t.co/z8SG0OtV1w.
Bericht dazu auf 404media (https://www.404media … eryone-off-the-case/) und in deutscher Sprache bei t3n (https://t3n.de/news/ … abgebrochen-1747710/).
Samstag, Juni 13, 2026
Anwälte belegten ihr Argumente mit halluzinierten Argumenten: Entzug Mandate, Geldstrafen und zweijährige Verbote von Mandatsvertretungen für den Gerichtsbezirk
Donnerstag, Juni 11, 2026
Google haften für KI-Zusammenfassungen
Das Landgericht München I entschied in einem aktiellen Urteil (2026-05-28, Az. 26 O 869/26), dass Google für unwahre Behauptungen in seinen KI-generierten Suchübersichten unmittelbar haftet.
Im Gegensatz zum Anzeigen von Links in Ergebnissen einer Suchanfrage handelt es sich laut Urteil bei den KI-Übersichten um von Google erstellte, eigenständige Inhalte, entsprechend resultiert daraus die Haftung.
URLs:
- dejure: https://dejure.org/2026,16717
- Volltext auf Bayern.Recht: https://www.gesetze- … 2026-N-11860?hl=true
Presseberichte:
- beck aktuell: https://www.beck-akt … e-haftung-2026-06-11
- Handelsblatt: https://www.handelsb … chten/100232565.html
- The Decoder: https://the-decoder. … nwahre-ki-antworten/
- heise online: https://www.heise.de … rteilt-11326867.html
- DieBayern.de: https://www.diebayer … uebersichten-3146992
Samstag, Mai 23, 2026
US-Gerichte werden mit Klagen überhäuft, bei denen sich Kläger mit KI-Unterstützung selbst vertreten
Eine Studie des MIT und der University of Southern California zeigt, dass die Zahl der Klagen ohne Anwalt an US-Bundesgerichten seit der Verbreitung von ChatGPT fast doppelt so hoch ist wie zuvor. Die Forscher werteten 4,5 Millionen zivile Klagen aus den Geschäftsjahren 2005 bis 2026 sowie 46 Millionen Einträge aus dem elektronischen Aktenregister PACER aus.
Untersucht wurde der Anteil der “pro se”-Quote, der Klagen, bei denen sich der Kläger selbst vertritt. Der Anteil liegt seit gut 20 Jahren recht stabil bei 11 Prozent. 2025 betrug der Anteil 16,8 Prozent. Die Gesamtzahl der Klagen belastet damit die Justiz, denn das Personal zur Abarbeitung der Klagen fehlt.
Bericht wurde bei SSRN (Elsevier) veröffentlicht, URL lautet https://papers.ssrn. … ?abstract_id=6766859
Montag, Mai 18, 2026
78. Jahrestagung der OLG-Präsidenten: KI im Gericht gerne als Unterstützung, aber Entscheidung bleibt beim Menschen
Auf der 78. Jahrestagung der OLG-Präsidenten war auch KI ein Thema. Im Grundlagenpapier 2026 zum Einsatz von KI und algorithmischen Systemen in der Justiz finden sich sieben Handlungsempfehlungen. Sind nur eineinhalb Seiten, kann man also schnell überfliegen.
URLs:
- Webseite: https://olgko.justiz … nisierung-der-justiz
- Anlage 2 mit Beschluss zu KI: https://olgko.justiz … s_KI_-2026-05-12.pdf
Freitag, Mai 15, 2026
Einsatz von KI zur Aufzeichnung, Transkription oder Erstellung von Zusammenfassungen kann Anwaltsgeheimnis gefährden
Die Ney York Times berichtet darüber, dass ein Rechtsanwalt der Kanzlei Dykema bei virtuellen Konferenzen immer KI-Transkriptionstools abschaltet. Denn für Anwälte birgt die Verwendung eines KI-Bots in Besprechungen jedoch ein erhebliches rechtliches Risiko. Nimmt ein externer KI-Bot an einem Meeting teil und speichert diese Daten extern (und sei es auch nur temporär), könnte dies als Preisgabe von Informationen an einen Dritten gewertet werden, was den Verlust des Attorney-Client Privilege bedeuten kann –wovon auch der Schutz vor einer Offenlegung in Gerichtsprozessen betroffen sein könnte.
Die New York City Bar Association am 22. Dezember 2025 die Stellungnahme “Ethische Fragen im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI zur Aufzeichnung, Transkription und Zusammenfassung von Gesprächen mit Mandanten” in welcher im Abschnitt “B. Confidentiality and privilege” angemerkt wird:
Da vieles von den KI-Anbietern und nicht von der Kanzlei kontrolliert wird, sollten Anwälte ihre Mandanten auf die Risiken des Verlusts der Vertraulichkeit und des Anwaltsgeheimnisses hinweisen, besonders wenn – wie weiter unten erläutert – Mandanten ihre eigenen KI-Tools nutzen.
Auch in anderen Bundesstaaten der USA wurde das Problem erkannt. 2Civility verweist darauf, dass entsprechend den berufsrechtlichen Vorschriften in Illinois Anwälte eine angemessene Bewertung von externen KI-Anbietern vornehmen müssen, einschließlich deren Verfahren zur Datenspeicherung, zum Datenzugriff, zur Datenaufbewahrung und zum Modelltraining.
Die American Arbitration Association untersuchte, inwiefern KI-Aufzeichnungstools mit den Aufzeichnungsgesetzen der einzelnen Bundesstaaten, den berufsrechtlichen Vorschriften und dem Anwaltsgeheimnis in Konflikt stehen. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehören:
- Auf KI basierende Aufzeichnungsplattformen können das Anwaltsgeheimnis gefährden, wenn Gespräche von Drittanbietern gespeichert, weitergegeben oder zum Trainieren von Modellen verwendet werden.
- Die automatisierte Protokollierung verändert die Bewertung der Vertraulichkeit: Transkription, Zusammenfassung und cloudbasierte Verarbeitung führen zu neuen Risiken, selbst wenn die Aufzeichnung rechtmäßig und einvernehmlich erfolgt.
- Die Genauigkeit KI-generierter Aufzeichnungen ist nicht neutral: Zusammenfassungen können Nuancen verflachen oder rechtliche Schlussfolgerungen überbewerten, was ein Risiko darstellt, wenn sich Anwälte oder Mandanten ohne sorgfältige Prüfung darauf verlassen.
Auch in Deutschland besteht eine anwaltliche Schweigepflicht § 43a Abs. 2 BRAO, flankiert vom Verbot der unbefugten Offenbarung entsprechend § 203 StGB, sodass auch in Deutschland ein entsprechender Einsatz von KI zu einem Verstoß gegen diese Vorgaben führen kann. Eine entsprechende Kommentierung findet sich in der Zeitschrift Golem.
URLs
- New York Times: https://www.nytimes. … FA.gK8L.d1MbIP_wBYlh
- New York City Bar Association Opinion 2025-6: https://www.nycbar.o … ations-with-clients/
- Blank Rome LLP, Bericht über Opinion 2025-6: https://www.blankrom … ssional-obligations/
- 2Civility “When AI Notetakers Enter Your Client Meetings: Ethical Duties and Risks for Lawyers”: https://www.2civilit … d-risks-for-lawyers/
- American Arbitration Association “AI Recording Tools and Attorney–Client Privilege in the Age of AI”: https://www.adr.org/ … ge-in-the-age-of-ai/
- Golem “Anwälte warnen vor KI-Transkriptionstools in Meetings”: https://www.golem.de … ngs-2605-208512.html
